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Über mich

Ich bin Friederike,  große und kleine Schwester, Soziologie Studentin, sehr kreativ und ich hatte Krebs. Genauer gesagt ein Osteosarkom.

Die Krankheit, die Hochdosis-Chemo und die Operation mit den daraus resultierenden Folgen sollen nicht auf Dauer mein Leben bestimmen. Daher habe ich mir dieses Projekt in den Kopf gesetzt. Ich fahre zum Meer und werde aus eigener Kraft über die Dünen fahren. Es soll der Endpunkt einer langen Zeit des Leidens, Bangens, Kämpfens und der permanenten Angst werden. Denn, wer es schafft aus eigener Kraft ein Land zu durchqueren, die Einsamkeit zwischen endlosen Feldern und dunklen Wäldern zu ertragen, um schließlich den Sonnenuntergang auf der anderen Seite des Landes zu erleben, dem kann auch der Krebs nicht mehr viel anhaben, ....oder?

 

 

Radtour “Zurück ins Leben”

Noch während meiner Krebserkrankung plante ich meine 2000km Radtour durch Deutschland.

 

Der Startpunkt lag in Meßkirch am Bodensee, entlang einiger Flüsse schlängelte ich mich durch Deutschland um an die Ostsee zu gelangen. Auf der Strecke habe ich mir verschiedene Wohngruppen und Projekte angesehen, Interviews durchgeführt und Pro- und Kontras verschiedener Wohnstrukturen dokumentiert. Auf der Startseite berichte ich über die einzelnen Etappen, Persönlichkeiten und Erlebnisse. Die Tour ist, neben der Realisierung und Unterstützung der ChemoWG auch mein ganz persönlicher Kampf zurück ins Leben, um den Weg, nach 15 Monaten Chemo und Krankenhausalltag, zurück in ein selbstbestimmtes Leben und mein Studium zu finden. 

 

 

Ich studiere an der TU Darmstadt Diplom Soziologie mit den Nebenfächern Psychologie und Stadtplanung. Durch den Raumforschungsschwerpunkt in meinem Fachbereich, unter Matrina Löw, kam ich relativ zügig mit verschiedenen Forschungsansätzen in Kontakt. So durften wir uns schon in den ersten Semestern mit alternativen Wohnformen von beispielsweise Kommunenstrukturen, Bauwagenplätzen, Familienstrukturen in Sekten bis hin zu Pionierbauten im Bereich des Passiv-Hausbaus beschäftigen. Ich startete einige Versuche auf Bauwagenplätzen wohnen zu dürfen, allerdings war es wenig verwunderlich, dass ein doch sehr festes soziales Gefüge wie eine Familie einen Fremden nicht so einfach aufnimmt. Soetwas braucht Zeit, Vertrauen und viele viele gute Gespräche. 

Ich war gleich zu beginn meines Studiums von der Faszination dieser Kombination aus Sozialstrukturen und deren Ausdrucksform in der physischen Bebauung im öffentlichen Raum gefangen. Diese Denkansatz findet sich auch in all meinen Projekten wieder.

Gutes, ausgeglichenes Leben kann meiner Meinung nach nur in einem Umfeld stattfinden, das dies auch physisch ermöglicht. Man kann noch so viel für die Gesundheit tun, jeden dritten Tag zum Yoga rennen, vegan leben und Stress reduzieren: wenn man dennoch gezwungen ist in einem Raum zu leben, der einen beschränkt, wird man sich immer unwohl fühlen. Dies war mit die treibende Kraft hinter meiner Idee der ChemoWG. Wie soll ein schwerkranker Mensch gesund werden, in einem emotionsarmen Umfeld wie dem Krankenhaus - ohne das Gegengewicht eines individualisierten Rückzugsraums?

Ein weiterer Aspekt ist die Lärmverschmutzung. Lärm macht krank.

Die Lautstärke die von Städten ausgeht bringt nicht nur Tiere aus dem Gleichgewicht. Ein schönes kleines Alltagsexperiment verdeutlicht das nur all zu gut. "Stell dir vor, du stehst mitten in einer Einkaufszone an einem Samstag Nachmittag. Um die herum plappern, kattern, klappern und quitschen die Menschen und die alltagserleichternde Technik, wie Smartphons, Inliner, Kinderwägen und Einkaufsrollis drängen sich wie ein unendlicher Fluss an dir vorbei. Jetzt nutze deine Ohrstöpsel..... was siehst du?" Treibt man dieses Spiel auf die Spitze, ist es kaum verwunderlich, dass immer mehr Menschen im Straßenverkehr auf Kopfhörer und Displays fixiert sind, um den einfachsten Schritt der Reizreduktion zu gehen. Diesen "Schritt zurück", das sich heraus nehmen aus der Situation, ist ein faszinierendes Schauspiel. Pötzlich werden einem Zusammenhänge und eigentlich so offensichtliche Fakten klar und deutlich vor Augen geführt. Ich kann es nur jedem empfehlen, es einmal auszuprobieren. 

 

Auch die Entschleunigungs-Theoretiker haben es mir sehr angetan. Der steigende Stresspegel und die daraus resultierenden gesellschaftlichen Folgen, wie steigende Krankenzahlen und vor allen Dingen eine zunehmende Oberflächlichkeit, müssen sich in absehbarer Zeit einfach rächen.

Auch meine Krankheit sah ich dadurch verstärkt, dass ich dem Stress, den ich mir durch die zwei Jobs neben meinem Studium gemacht habe, keinen funktionierenden Ausgleich gegenüber setzen konnte. Auch wenn Hartmut Rosa von seinen Kritikern immer wieder gescholten wird, seine Theorie nicht bis zum Ende durchdacht zu haben, finde ich die Idee, Stressreduktion durch informelle Verinselung, nach wie vor sehr schlüssig.

   

 

Interessen

 

Ich würde mich als Künstler beschreiben. Immer neue Ideen und deren Umsetzung füllen meine Freizeit. So kombiniere ich beispielsweise die üblichen Handarbeiten wie Häkeln, Stricken, Nähen und Basteln mit nützlichen Funktionen, die mein Leben bereichern.

Ein anderes Hobby sind Pflanzen und ihre Heilwirkung. Durch die Krankheit beschäftigt man sich zwangsläufig häufiger mit der Frage, was man seinem Körper eigentlich einflößt, so dass ich früher oder später auf dieses Thema stoßen musste.

Relativ neu ist meine faszination für geschichtliche Zusammenhänge. Seit der Chemo hat Zeit eine andere Bedeutung für mich bekommen. Wie schnell sie oftmals ungenutzt verrinnt und was ein Menschenleben in einer Gesellschaft verändern kann ist mir erst seit dieser Zeit bewusst. In dieser Auseiandersetzung habe ich ein Faible für Biographien großer Denker_innen entwickelt. Es fasziniert mich jedes mal aufs neue, dass die scheinbar unbeirrbar vor sich hin plätschernde Weltgeschichte durch einzelne Queerdenker nachhaltig beeinflusst wird, ohne dass es die ausschlaggebende Person selbst als wegweisend empfindet. 

 

 

 

Und immer wieder Angst.....

 

   

Auch sie ist ein permanenter Teil meines Lebens geworden. Genau genommen habe ich jetzt seit 2008 immer wieder Schmerzen. Ende 2009 dämmerte mir, das es kein Muskelkater ist, wie mein Hausarzt permanent erzählte hat und dieser Zustand alles andere als normal sein kann. Seit 12/2011 weiß ich, dass man es Krebs (Osteosarkom) nennt und seit dem Arztgespräch im April 2012, als mir gesagt wurde, dass der Tumor nicht nur unter der Chemo weiter gewachsen ist, sondern auch nicht ganz abgetötet werden konnte, hab ich bei jedem außergewöhnlichen Zwicken Panik, dass die Chemo nicht hart genug war und der Krebs es sich an einer anderen Stelle meines Körpers gemütlich gemacht hat. Seit ich angefangen habe zu trainieren und wieder aktiv am Leben teilhaben zuwollen, ist es um so schlimmer, permanent durch die Schmerzen im überanstrengten gesunden Bein, daran erinnert zu werden, dass durchaus noch einmal etwas von den Krebszellen weiter wachsen könnte. 

Nicht selten liege ich auch heute noch Nächte lang wach, geweckt durch Schmerzen und Angst - gerade dadurch, dass sich mein Tumor genau so an gefühlt hat. Der einzig beruhigende Gedanke ist, dass die Chemo mich fast gänzlich in meine Einzelteile zerlegt hat, also sollte es den restlichen Tumorzellen mindestens genauso ergangen sein.